"Freie Fahrt für freie Bürger". Das war lange Zeit der Schlachtruf, mit dem der Autoclub ADAC in den politischen Kampf ging. Die Forderung nach einem allgemeinen Tempolimit auf Autobahnen sollte damit abgewehrt werden.
Zuerst wurden sie von verblendeten, Fahrrad fahrenden, Müsli essenden und "Die Grenzen des Wachstums" lesenden Ökos erhoben, dann sogar im Bundestag, von den Grünen, später selbst von der SPD.
Inzwischen ist das Geschichte. Wie die Mehrheit im Volk befürwortet der Club eine Tempobremse. Und auch bei anderen Themen blinkte er grün, etwa bei der E‑Mobilität. Und man dachte schon: Vernunft setzt sich eben durch. Selbst im deutschen PS-Kosmos.
Doch weit gefehlt. Der Verkehrspräsident des Autoclubs, Gerhard Hillebrand, sah sich jetzt gezwungen, seinen Posten niederzulegen – "im Interesse des ADAC und seiner Glaubwürdigkeit".
Was hatte er Schlimmes getan? Er äußerte sich in einem Interview positiv über die CO2-Bepreisung, die 2021 eingeführt wurde und seither den Sprit teurer macht. Die seit Anfang Januar gültige Stufe sorgt etwa für eine Erhöhung um drei Cent pro Liter zusätzlich.
Und Hillebrand wagte zu sagen: "Der ADAC hält die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen." Die Leute bräuchten einen Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen umzusteigen.
22 Millionen Mitglieder
Diese Äußerung brachte viele ADAC-Mitglieder auf der Palme. Rund 60.000 von ihnen erklärten unter Verweis auf Hillebrands Sakrileg ihren Austritt, und offenbar wurde intern der Druck auf den in der Fachwelt geschätzten Verkehrsexperten so groß, dass er hinschmiss.
Dabei hatte er eigentlich nur gesagt, was offizielle Position des Clubs ist. Und auch betont, dass die Politik noch mehr tun müssen, um die E‑Mobilität als Alternative für alle bezahlbar zu machen, etwa durch niedrigere Strompreise.
Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.
Der ADAC hätte zu Hillebrand stehen müssen. Die 60.000 Austritte, gehypt durch Social-Media-Posts, sehen nach viel aus. Bei insgesamt über 22 Millionen Mitgliedern sind sie aber eher wie ein kleiner Kratzer im Lack, der sich wegpolieren lässt, zumal der Club allein im Januar rund 100.000 neue Mitglieder aufnehmen konnte.
Am Umstieg auf die E‑Mobilität führt kein Weg vorbei – und wenn der mächtige ADAC so schnell das Ladekabel für diese Zukunftsvision wegpackt, ist das ein schlechtes Zeichen. Er hätte Rückgrat zeigen müssen.
