Parkgebühren haben ein schlechtes Image. Allein schon auf inflationsbedingte Anpassungen der Tarife reagieren viele Bürgerinnen und Bürger mit Unverständnis und Empörung. Zumeist agieren die politischen Entscheidungsträger daher sehr defensiv bei diesem Thema.
Dagegen erfolgt die Anpassung der Tarife für den ÖPNV systematisch und kontinuierlich. Im Ergebnis sind die Preise für Tickets im Nahverkehr in der Regel deutlich stärker gestiegen als für das Parken.
Ein grundsätzliches Problem ist, dass Parkgebühren von den meisten Bürgerinnen und Bürgern als Abzocke oder Schikane empfunden werden. Dabei ist es kaum relevant, welche Kosten ansonsten mit einem Privatauto anfallen. Von den rund 400 bis 500 Euro, die monatlich für einen günstigen Kleinwagen in der Vollkostenrechnung zusammenkommen, nehmen die Aufwendungen für das Parken nur einen kleinen Teil ein.
Gleichwohl reagieren auch betuchte Menschen häufig ungehalten auf das Ansinnen, wenigstens einen Teil der Kosten mitzutragen, um auf öffentlichen Flächen Parkplätze vorzuhalten.
Die Reaktionen haben auch etwas damit zu tun, dass die Verwendung der Mittel aus den Parkgebühren bisher intransparent ist und die Einnahmen scheinbar irgendwo im kommunalen Haushalt verschwinden.
Auch die Einzelhändler lehnen höhere Parkgebühren in der Regel mit der Behauptung ab, dadurch werde die Kunden-Nachfrage zurückgehen. Ihre Forderung: Statt die Autokunden zu belasten, solle die Stadt besser den Nahverkehr ausbauen.
Tatsächlich besagen aber alle seriösen Untersuchungen, dass im Einzelhandel 70 bis 80 Prozent des Umsatzes durch Kunden generiert werden, die nicht mit dem Auto kommen. Eine Stärkung des Umweltverbundes aus ÖPNV, Rad- und Fußverkehr fördert so gesehen auch den Handel.
Wenn man also die Parkgebühren ändert, sollte dies zugunsten des Nahverkehrs geschehen.
Die Parksituation beeinflusst die Wahl des Verkehrsmittels
Beim Parkraummanagement bestimmen drei Faktoren die Wahl des Verkehrsmittels:
- Verfügbarkeit: Untersuchungen zeigen, dass das Parkplatzangebot am Zielort einen sehr großen Einfluss auf die Wahl des Verkehrsmittels hat. Ist der Parkraum etwa am Arbeitsplatz knapp, bilden die Beschäftigten deutlich häufiger Fahrgemeinschaften, kommen mit Bus, Bahn oder Rad.
- Entfernung: Der Fußweg zum Auto sowie vom Parkplatz zum Zielort beeinflusst ebenfalls die Wahl des Verkehrsmittels. Steht der Wagen vor der Haustür und befindet sich der Parkplatz direkt am Zielort, ist die Neigung gering, Alternativen in Betracht zu ziehen.
- Kosten: Dass die Kosten für ein Produkt – hier Parkplätze – Einfluss auf das Konsumverhalten haben, braucht man nicht zu erklären. Schon allein der Parksuchverkehr nach kostenfreien Parkplätzen macht deutlich, wie preissensibel die Menschen beim Thema Parkgebühren sind. Angebote wie ein kostenloses Jobticket werden in Kombination mit Parkgebühren attraktiver.
Durch das Bereitstellen von Parkraum entstehen Kosten. Flächen für Parkplätze müssen vorhanden sein und hergerichtet werden. Parkplätze müssen unterhalten werden, je nach Rechnung kostet das pro Parkplatz einige hundert Euro im Jahr. Denn Grundstücke und deren Nutzung haben einen Wert. Werden sie für Parkraum eingesetzt, stehen sie für andere Ertragsformen nicht zur Verfügung.
Das Konzept "Fairparken" will die Mittelverwendung transparent machen und bezieht sich dabei auf das Thema Mobilitätsdienstleistungen. Der Begriff selbst entstand durch die Überlegung, dass die Verwendung der Einnahmen aus Parkgebühren für den Umweltverbund eine Art Solidarbeitrag von den Pkw-Nutzern ist.
Diese unterstützen mit ihren Parkgebühren all diejenigen, die auf den Bus angewiesen sind oder auch einfach so die Umstände in Kauf nehmen. Denn die Anfahrt mit den "Öffis" ist im Regelfall deutlich aufwändiger als mit dem eigenen Wagen. Man muss zu einem festen Zeitpunkt – bei Wind und Wetter – zur Bushaltestelle, dort in einen unter Umständen vollen Bus steigen, eventuell umsteigen, warten und am Zielort ebenfalls noch laufen. Auf alltäglichen Strecken ist der ÖPNV auch bei der Reisedauer dem Pkw oft unterlegen.
Tagestarif statt Flatrate: Faire und effiziente Parkraum-Nutzung
"Fairparken" beinhaltet neben einer transparenten Verwendung der Gebühren auch eine andere Bewirtschaftungsphilosophie. Wenn Parkräume überhaupt bewirtschaftet wurden, dann erfolgte dies in aller Regel bei kommunalen und privaten Arbeitgebern als Monatsmiete. Allerdings stehen die Parkplätze leer, wenn die Mieter sie nicht nutzen. Bisher monatliche Parkgebühren (außer beim Anwohnerparken) sollen daher nach Möglichkeit in einen Tagestarif überführt werden. Dieser bringt Flexibilität und Effizienz mit sich.
Die Idee: Kommunale und private Arbeitgeber sollen für Parkplätze nur noch die tatsächliche Nutzung tarifieren. Auf den öffentlichen Straßenparkplätzen ist das in Form von Parkautomaten ja selbstverständlich. Kommen die Nutzenden zu bestimmten Tagen mit Rad, Bus oder Fahrgemeinschaften zur Arbeit, haben sie für diese Tage keine Parkgebühren zu entrichten. Das ist fair.
Michael Kopatz
ist Dezernent für Klimastrukturwandel, Bauen, Stadtplanung und Mobilität der Stadt Marburg. Dort versucht er in der Praxis die Ergebnisse seiner 25-jährigen wissenschaftlichen Arbeit am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie umzusetzen.
Dadurch entsteht wiederum weniger Leerstand in Form von ungenutztem Parkraum: Dauerparkplätze kann man nicht "zwischenvermieten". Aber freie Parkplätze stehen neuen Interessierten zur Verfügung. Durch das "Parkplatz-Sharing" wird der Parkraum effizienter genutzt und es steht im Ergebnis mehr Parkraum zur Verfügung.
Ein Tagestarif für Beschäftigte ist effektiv – im Sinne von qualitativ wirksam – und effizient – im Sinne von quantitativ günstig.
Flatrates stimulieren dagegen die Nutzung von Angeboten jeglicher Art. Das Deutschlandticket zeigt sehr anschaulich, wie erfolgreich solche Pauschaltarife sein können. Eine Monatsmiete fürs Parken bringt es eben mit sich, dass die Nutzungsintensität keine Rolle spielt. Ein knappes Gut wie Parkraum mit einem Pauschaltarif zu versehen, ist daher nicht plausibel.
Sinnvoll wäre, wenn Angebot und Nachfrage die Gebühren bestimmen. Sehr gefragte Parkflächen im Zentrum und direkt zugänglich an der Straße müssten im Preis höher liegen als solche in den Randlagen oder in schwach ausgelasteten Parkhäusern.
Der Tagestarif macht die Kosten transparenter und lädt ein zum Kostenvergleich mit anderen Mobilitätsformen. Viele Menschen steigen besonders im Sommer häufiger aufs Fahrrad. Mit dem Tagestarif sparen sie die Parkgebühren und tun etwas für ihre Gesundheit.
Der Tagestarif spricht besonders Beschäftigte mit vergleichsweise kurzen Wegen zum Arbeitsplatz an. Nach Untersuchungen in deutschen Großstädten führen mehr als 40 Prozent der Autofahrten über eine Strecke von weniger als fünf Kilometern. Sie liegen damit in einem Entfernungsbereich, in dem das Fahrrad oft sogar das schnellste Verkehrsmittel ist.
Fazit: Es gibt keine kostenlosen Parkplätze. Kosten entstehen in jedem Fall, zum Beispiel durch Ankauf, Baumaßnahmen, Reinigung, Verwaltung und Wartung. Wer auch immer Flächen kostenfrei anbietet, seien es Kommunen oder Unternehmen, verzichtet auf Einnahmen – etwa durch Vermietung oder Verpachtung eines Grundstücks an Investoren.
Zugleich fehlt es an finanziellen Mitteln, um den Nahverkehr zu verbessern. Die Städte und Gemeinden sollten daher ihre kommunalen und öffentlichen Parkflächen so bewirtschaften, dass die Einnahmen den Nah- und Radverkehr fördern. Die sinnvolle Verwendung der Mittel nach dem Grundsatz "Verkehr finanziert Verkehr" soll nachvollziehbar sein.
Darüber hinaus ist es zielführend, Parkplätze im Tagestarif zu bewirtschaften. Das erhöht die Effizienz und Effektivität der Parkraumbewirtschaftung und macht alternative Mobilitätsformen attraktiver.
Digitale Mobilität – das Antiblockiersystem
Wie kommen wir in Zukunft von A nach B? Fest steht: Es geht nur radikal anders als bisher. Aber wie? Die Gruppe "Digitale Mobilität – das Antiblockiersystem" entwickelt Ideen für die Mobilität von morgen. Hier schreiben Wissenschaftler:innen und Expert:innen über Wege in ein neues Verkehrssystem, das flüssig, bequem, gerecht und klimafreundlich ist – jenseits von Allgemeinplätzen und Floskeln. Das Dossier erscheint in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).
