Ist das die Rettung für Europas Autoindustrie? Leider eher das Gegenteil. Die EU-Kommission schlägt vor, das "Verbrennerverbot" zu lockern.
Autos mit Benzin- oder Dieselmotor sollen unter bestimmten Bedingungen auch nach 2035 weiter verkauft werden dürfen. Plug-in-Hybride, E‑Autos mit "Range Extender", also einem Stromgenerator an Bord, aber auch "hocheffiziente" Verbrenner, darunter Mild-Hybride, die beim Bremsen Strom zurückgewinnen.
Der Druck der Regierungen und der Hersteller aus dem Autoland Deutschland, aber auch aus anderen Staaten von Italien bis Polen war zu stark geworden. Befürworter der bisherigen Reglung wie Spanien und die nordischen Länder zogen den Kürzeren.
Das Signal ist leider fatal: Es mag Politik, Konzerne und auch viele Autofahrer:innen beruhigen, die gerne am Altvertrauten festhalten und lieber Gas statt Strom geben. Die Zukunft der Branche sichert das nicht. Tatsächlich erschwert es sie.
Am Trend zur E‑Mobilität wird das Aus für das Verbrenner-Aus in der EU nichts ändern.
Europas Autobauer müssen enorme Anstrengungen unternehmen, um hier – besonders in der entscheidenden Batterietechnologie – mit der Konkurrenz vor allem aus China mitzuhalten, die dabei ist, den Weltmarkt aufzurollen. Sich bei dieser Aufgabe zu verzetteln und parallel auch noch neue Verbrenner zu entwickeln und zu bauen, erschwert dies, statt es zu erleichtern.
Was bleibt, ist die Unsicherheit
Die EU-Kommission versucht, die Abkehr vom 100-Prozent-Ziel bei der CO2-Reduktion auf 90 Prozent klimapolitisch verträglich zu machen. Etwa, indem sie vorschreibt, dass die neuen Autos teils mit grünem, CO2-armem Stahl produziert werden und mehr Biokraftstoffe und E‑Fuels getankt werden.
Die Umstellung in der Produktion kann durchaus einen Push Richtung Klimafreundlichkeit auslösen, der zudem Europas darbender Stahlindustrie hilft. Beim "Öko-Sprit" gibt es jedoch große Fragezeichen.
Er wird wohl langfristig knapp und teuer bleiben, und falls er doch in größeren Mengen verfügbar ist, dann wird er für andere Zwecke, etwa im Flug- oder Schiffsverkehr gebraucht. Ein Beibehalten des Verbrenner-Aus wäre auch hier sinnvoller gewesen.
Die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, hat leider recht, wenn sie warnt, das gelockerte Verbrenner-Aus werde eher noch mehr Jobs vernichten. Sie mahnt, die Branche brauche vor allem Planungssicherheit und keine abrupten politischen Kurswechsel.
Letzteren bekommt sie nun wohl. Ein Pyrrhus-Sieg für die Verbrenner-Fans um Friedrich Merz und Markus Söder, die die industriepolitische Attacke auf die EU-Kommission angeführt haben.
