Der bei Spitzenpolitikern sehr beliebte Audi A8 emittiert in der Verbrenner-Version 198 Gramm CO2 pro Kilometer, der Hybrid laut DUH sogar 202 Gramm. (Bild: Dong Liu/​Shutterstock)

Die E‑Mobilität steht in Deutschland vor dem Durchbruch, verkündete die kürzlich veröffentlichte "TÜV Mobility Studie 2026". Ein Viertel der Leute bevorzuge beim Autokauf ein reines E‑Auto, ein weiteres Viertel ein Plug-in-Hybridfahrzeug, ergab die Umfrage. Nur ein Drittel schaffe sich noch einen klassischen Verbrenner an, elf Prozent seien unentschlossen oder würden gar kein Auto kaufen wollen.

In der deutschen Spitzenpolitik kann von einem Durchbruch der Elektroautos nicht die Rede sein. Das zeigt der mittlerweile 20. Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die Ergebnisse wurden am Dienstag vorgestellt.

 

Von den 249 in der Umfrage erfassten Dienstwagen bekommen dabei 160 von der Umweltorganisation die Rote Karte gezeigt, weil der CO2-Ausstoß dieser Fahrzeuge über dem EU-Flottengrenzwert liegt. Den unterbieten vollelektrische Fahrzeuge. Deren Anteil an den untersuchten Dienstwagen liegt aber nur bei rund einem Drittel.

Im Vergleich zum 2025er Check ist der Anteil der Vollelektrischen sogar gesunken und der von Verbrennern gestiegen. Mehrere Spitzenpolitikerinnen und ‑politiker wechselten laut der Umfrage bei der Neuanschaffung ihres Dienstwagens vom reinen E‑Auto wieder zurück zum Plug-in-Hybrid. Bei dem können ein E‑Motor mit Batterie sowie ein Verbrennungsmotor die Antriebsenergie liefern.

Den Plug-in-Hybrid bewegt meist der Verbrennungsmotor

Die Unterschiede bei den realen CO2-Emissionen bei den verschiedenen Antrieben sind enorm: Vollelektrische Dienstwagen verursachen nach den Angaben im Schnitt 62 Gramm CO2 je Kilometer – Plug-in-Hybride mit 179 Gramm dagegen fast die dreifache Menge.

Alle Plug-in-Hybride übersteigen laut DUH den EU-Flottengrenzwert von 93 Gramm massiv. Der Grund: Sie werden im Schnitt nur zu elf Prozent elektrisch gefahren und zu 89 Prozent mit dem Verbrennungsmotor, der hier wegen des höheren Fahrzeuggewichts besonders spritdurstig ist.

Reine Verbrenner liegen mit durchschnittlichen Emissionen von 193 Gramm CO2 je Kilometer allerdings noch höher.

So wurden die Dienstwagen gecheckt

Der 20. Dienstwagen-Check der DUH beruht auf einer Abfrage im Zeitraum von Januar bis Juni 2026. Untersucht wurden 249 Dienstwagen. Die besonders gesicherten Fahrzeuge des Bundeskanzlers, des Vizekanzlers und Finanzministers sowie der Minister für Äußeres, Inneres und Verteidigung flossen nicht in die Gesamtwertung ein.

Die Auswertung basiert auf der Emissionsangabe der "Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure" (WLTP). Bei Elektro-, Wasserstoff- sowie reinen Verbrennerfahrzeugen stimmen die WLTP-Werte laut Fahrzeugtests meist mit dem realen CO2-Ausstoß überein.

Bei Plug-in-Hybriden hingegen hat die DUH den CO2-Ausstoß mit einem reichweitenspezifischen "Utility Factor" unter Annahme eines elektrischen Fahranteils für Dienstwagen von rund elf Prozent ermittelt.

Bei Fahrzeugen mit teilelektrischem oder vollelektrischem Antrieb wurde der deutsche Strommix nach Angaben des Umweltbundesamtes für das Jahr 2025 mit dem entsprechenden CO2-Gehalt herangezogen.

Konkret vom bisher genutzten E‑Auto zum klimaschädlichen Plug-in-Hybrid wechselten 2025 laut DUH drei Staatsministerinnen und ‑minister aus dem Auswärtigen Amt sowie auch zwei Hamburger Senatsmitglieder sowie der Umweltminister Sachsens.

Innerhalb der Bundesregierung belegen nach den Angaben Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) und Bildungsministerin Karin Prien (CDU) mit jeweils 169 Gramm CO2 je Kilometer den letzten Platz.

Unter den Länderchefs liegen die CO2-Werte der Dienstautos noch erheblich höher: Die Fahrzeuge von Hendrik Wüst (CDU, Nordrhein-Westfalen), Manuela Schwesig (SPD, Mecklenburg-Vorpommern) und Kai Wegner (CDU, Berlin) emittieren den Angaben zufolge jeweils 262 Gramm CO2 pro Kilometer.

Alabali und Özdemir vorn

In der Bundesregierung fährt laut dem Check Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) mit 64 Gramm CO2 je Kilometer am sparsamsten. Bei den Ministerpräsidenten liegt Cem Özdemir (Grüne, Baden-Württemberg) mit 66 Gramm vorn.

DUH-Geschäftsführerin Barbara Metz hält die Ergebnisse des neuen Checks für alarmierend. "Beim Klimaschutz im Verkehr sehen wir nicht mehr nur Stillstand, sondern eine Rückwärtsbewegung", erklärte sie am Dienstag. Wer politische Verantwortung für den Klimaschutz trage, sollte beim eigenen Dienstwagen mit gutem Beispiel vorangehen, statt den Eindruck zu erwecken, Klimaschutz gelte nur für alle anderen, sagte Metz.

Die DUH fordert von Bund und Ländern, bei jeder Neuanschaffung konsequent auf effiziente Elektroautos umzusteigen und nicht klimaschädliche Plug-in-Hybride weiter künstlich attraktiv zu halten. Spätestens 2030 müsse, so die Umweltorganisation, in den öffentlichen Flotten Schluss sein mit der Anschaffung von Verbrennern.

Das sei keine überzogene Forderung, unterstrich Barbara Metz am Dienstag. Wer politische Verantwortung trägt, sollte aus ihrer Sicht zumindest keinen Dienstwagen fahren, der mehr emittiert, als durch den EU-Flottengrenzwert vorgegeben ist. 

"Mit überdimensionierten E‑SUV gibt es keine Verkehrswende"

Für die DUH-Geschäftsführerin sind aber auch E‑Autos nicht automatisch klimafreundlich – vor allem, wenn das Fahrzeug zwei oder drei Tonnen wiege und eine riesige Batterie mit sich herumfahre. Je weniger Energie und Rohstoffe ein Auto benötige, desto besser, stellte Metz am Dienstag weiter fest.

Bei künftigen Checks werde die Umwelthilfe deswegen auch genauer hinschauen, wie effizient die E‑Autos sind, kündigte Metz an. "Die Verkehrswende besteht nicht darin, einen überdimensionierten Verbrenner-SUV durch einen ebenso überdimensionierten Elektro-SUV zu ersetzen", so ihre Begründung.

 

Trotz der aktuell rückschrittlichen Bilanz misst Barbara Metz der Spitzenpolitik weiterhin eine automobile Vorbildwirkung zu. Gerade so ein Umstieg vom reinen E‑Auto zurück zum Plug-in-Hybrid sei, so Metz, ein "starkes Signal". Die Leute würden dann annehmen, dies seien klimafreundliche Fahrzeuge.

Tatsächlich aber seien die Plug-in-Hybride "verkappte Verbrenner unter dem Deckmäntelchen von E‑Mobilität", betonte Metz am Dienstag. Auch deswegen sei es durchaus relevant, was Politikerinnen und Politiker für Dienstwagen wählen.

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