Wie es ums Auto steht – oder was passiert, wenn 700 Parkplätze verschwinden
Der Graefekiez in Berlin zeigt als städtischer Verdichtungsraum: Verzicht auf ein privates Fahrzeug wird als Gewinn betrachtet. In anderen für Deutschland typischen Räumen bleibt das Umsteigen auf andere Verkehrsmittel schwierig.
Deutsche Fossil-Lobby, Stuttgarter Schienen-Fanal und Berliner Baumsensation
Kalenderwoche 47: Dass die Bundesregierung die Luftverkehrssteuer senkt und zugleich das Deutschlandticket verteuert, ist fatal und völlig aus der Zeit gefallen, kritisiert Andreas Knie, Mobilitätsforscher und Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Den Berliner Baumentscheid hält er für eine politische Sensation.
Gern wird behauptet, dass E‑Autos für die Stadt ungeeignet sind, da sie sich ohne eigenen Stellplatz schwer aufladen lassen. Dabei ist die öffentliche Ladeinfrastruktur inzwischen weit ausgebaut.
Deutschlands teuerste Autobahn kostete 225.000 Euro pro Meter – Stau gibt es nach wie vor. Jetzt soll für noch mehr Geld weitergebaut werden. Warum? Steckt das Geld in ÖPNV und Radwege, dann haben alle etwas davon – und es gibt wirklich weniger Staus.
Parkgebühren – ein Solibeitrag der Autofahrer für den Umweltverbund
Mit dem Konzept "Fairparken" lässt sich die Akzeptanz der Bewirtschaftung von Parkplätzen erhöhen. Gebühren fallen im Tagestarif an und mit den Einnahmen wird der öffentliche Verkehr gestärkt.
Neuordnung des öffentlichen Verkehrs. Abschied von der Daseinsvorsorge
Der öffentliche Personenverkehr muss neu geordnet werden: Die Grundversorgung bleibt in öffentlich-rechtlicher Struktur. Parallel wird ein On-demand-Verkehr angeboten, der rein privatwirtschaftlich betrieben und verantwortet wird.
Warum Menschen mit Migrationshintergrund in deutschen Städten mehr Zeit für ihre Alltagswege brauchen, hat eine Studie untersucht. Zeitungleichheit ist eine bisher wenig beachtete Dimension sozialer Ungleichheit.
Unsere Städte müssen umgebaut werden, sagt der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner. Es geht um kühlende Bäume, Parks und Wasserflächen, aber auch um klimagerechtes Bauen, Wohnen, Heizen und Fortbewegen.
Ein freiwilliger Autofreiheitsrabatt im Mietvertrag kann ein Beitrag für mehr Lebensqualität und verträgliche Mobilität in Städten sein. Voraussetzung ist, dass die nicht mehr benötigten Parkplätze anders genutzt werden dürfen.
Das Fahrrad gilt als die große Hoffnung zur Bewältigung der Verkehrsprobleme. Kein anderes Verkehrsmittel ist so nachhaltig, die Bedienung so einfach und noch dazu hält es fit. Gemessen daran tut sich aber zu wenig. Denn es ist ein schwieriges Verhältnis, das Deutschland mit dem Fahrrad hat.
Das private Auto ist ein fast 50-millionenfaches Problem, oft ein großer Dienstwagen, meist ein Verbrenner für Männer. Weniger wäre besser – gesellschaftlich, politisch, für die Menschen und die Umwelt. Wie kann sich die Autogesellschaft das Auto abgewöhnen?
Die wirtschaftsfeindliche Verkehrspolitik der Berliner CDU
In Berlin will die CDU-geführte Verkehrsverwaltung wie ehedem Politik für das private Auto machen. Das wirkt nicht nur seltsam provinziell, es schadet auch der eigenen Klientel.
In deutschen Städten fehlt es nicht an Parkplätzen. Eher ist das Problem: Viele Parkplätze sind nicht öffentlich und nur zeitweise und selektiv zugänglich. Das sollte die kommunale Politik ändern, meint der Thinktank Agora Verkehrswende.
Die "Stadt der kurzen Wege" ist wünschenswert, aber unrealistisch
Die Forschung fordert, intelligente Mobilitätskonzepte in die Stadtplanung zu integrieren. Doch die gesellschaftliche Differenzierung führt weiterhin zur Ausbreitung der Siedlungsflächen. Die "Stadt der kurzen Wege" gibt es vor allem für die ohnehin Privilegierten.
Das Motto "Wir sind Graefe" muss für alle im Berliner Graefekiez gelten. Es ist nicht fair, die Auto fahrenden Mitglieder der Kiezgemeinschaft zu bevorteilen – gerade den Kindern und Jugendlichen gegenüber.
Sind die Verhältnisse fürs Radfahren optimal, kann das Fahrrad seinen Anteil am Verkehr bis 2035 verdreifachen, sagt eine Fraunhofer-Studie. Zugleich komme es darauf an, den Umweltverbund als Ganzes zu fördern, betonen die Experten.
Obwohl das Zeitalter der Automobilität seinen Höhepunkt schon lange hinter sich hat, soll es im Berliner Osten mit einer vierspurigen Quasi-Autobahn künstlich wiederbelebt werden.
Wenn Stadtraum-Umgestaltung an manchen Lebensrealitäten vorbeigeht
Das Auto ist nicht nur ein Transportmittel. Es spiegelt komplexe soziale, kulturelle und wirtschaftliche Strukturen wider, die unterschiedliche Communitys prägen. Wer eine gerechte Verkehrswende will, muss das beachten.
ein Gastbeitrag von Vanessa Rösner,Viktoria Scheidler
Zufußgehen liegt im Trend. Doch Menschen, die einen Rollstuhl oder Langstock nutzen, werden durch unzählige Barrieren im Stadtraum behindert. Das fördert sozialen Ausschluss. Projekte zur Umgestaltung des öffentlichen Raums können die Diskriminierung sogar verschärfen.
Weniger Parkplätze für mehr Sicherheit und Klimaschutz
Für den Erfolg der Verkehrswende ist die Reduzierung des privaten Autoverkehrs entscheidend. Dabei geht es nicht nur um den fließenden, sondern gerade auch um den ruhenden Verkehr, um das Parken im öffentlichen Straßenraum.