So ein Auto erfordert viel Aufmerksamkeit und Zuwendung. Regelmäßig ist es zu betanken, es muss zu Durchsichten und technischen Überprüfungen, ab und zu auch in die Waschanlage. Reifen sind zu wechseln und immer ist irgendwas am Fahrzeug kaputt.

Mit Beulen und Kratzern im Lack fühlt sich das Auto in der großen Park-Gemeinschaft gar nicht wohl. Auch verliert es, wenn es wie üblich die allermeiste Zeit des Tages nur herumsteht, schnell an Wert. Und am liebsten grüßt es den Eigner vom Parkplatz direkt vor der Haustür.

 

Auf die Dauer ist das alles ziemlich aufwendig und lästig. Fahren wir Auto, um zur Arbeit zu kommen, oder arbeiten wir, damit das Auto uns zur Arbeit begleiten kann?

Es loszuwerden, ist in einer seit gut hundert Jahren autofixierten Gesellschaft aber auch nicht so einfach. Nach gut 30 Jahren des Besitzes diverser Fahrzeuge der Kompaktklasse stand die Abschaffung des eigenen Autos schon einige Zeit auf meiner To-do-Liste. Ende 2024 ergaben sich dafür dann die nötigen sozialen und mobilen Bedingungen.

Zu denen gehört das Wohnen und Leben in einem Großstadtquartier mit inzwischen auch gutem Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Dann fiel auch ein Großteil bisheriger automobiler Aufgaben als Familien- und Freizeitkutsche weg. Und schließlich lockte auch das Deutschlandticket.

Öffentlicher und Fußverkehr statt Autofahren

Also grüßte mich seit Anfang 2025 kein eigener kompakter Verbrenner mehr vorm Haus. Ich abonnierte das Deutschlandticket und meldete mich bei einer Carsharing- sowie einer Mietauto-Firma an.

Der größte Teil meiner Mobilität wird nunmehr über öffentliche Verkehre abgewickelt oder dank wohnortnaher Versorgungseinrichtungen zu Fuß. Sich ein Fahrrad zuzulegen, wäre möglich, ist aber – genau besehen – nicht notwendig. 

Wie fällt nach einem Jahr die finanzielle Mobilitäts-Bilanz aus? In der Kompaktklasse liegen die Vollkosten pro Kilometer laut den üblichen Checkportalen bei etwa 40 Cent, wenn alles berücksichtigt wird – also Kraftstoff, Versicherung, Wertverlust, Reparaturen und so weiter.

Die Laufleistung der von mir genutzten Autos lag zuletzt im Schnitt stabil bei jährlich etwa 11.000 Kilometern. Daraus ergeben sich private Autokosten von jährlich etwa 4.400 Euro.

Im Schnitt legen Pkw in Deutschland übrigens gegenwärtig jedes Jahr um die 12.000 Kilometer zurück. Meine Autonutzung lag insofern etwas darunter.

Automiet-Kilometer kostet mehr als Nutzung eines eigenen Autos

Wie sah nun 2025 die persönliche finanzielle Gegenrechnung ohne eigenes Auto aus? Das Deutschlandticket kostete letztes Jahr monatlich 58 Euro, macht übers Jahr 696 Euro.

Dazu kamen Kosten fürs Carsharing. Das wurde für mehrere Touren über insgesamt 250 Kilometer genutzt, was zusammengerechnet 230 Euro kostete.

In Berlin wurde für eine Minute ein Parkplatz frei. (Bild: Gunnar Ridderström/​Unsplash)

Dabei wurde zumeist die Verbrenner-Kompaktklasse gefahren. Der Grund: Der abonnierte Anbieter hat E‑Autos fast nur von einer Marke verfügbar. Der Vorstandschef des Herstellers gefällt sich aber darin, Falschinformationen zum Klimawandel zu verbreiten. Damit sind dann seine Autos ein No‑Go. 

Pro Kilometer kostete das persönliche Carsharing um die 92 Cent. Das liegt nur leicht unter dem von diesem Anbieter aufgerufenen reinen Kilometertarif für Fahrzeuge der Kompaktklasse von 99 Cent. Fahrzeuge der Mittel- und Oberklasse oder Transporter sind hier natürlich teurer.

Was die Autonutzung betrifft, waren 2025 der persönlichen Bilanz noch 1.128 Kilometer mehrtägige Fahrten per Mietwagen in der Kompakt- und Mittelklasse hinzuzurechnen. Das kostete insgesamt rund 780 Euro an Mietkosten, einschließlich Versicherung, Zweitfahrer und anderen unverzichtbaren Zusatzleistungen. Obendrauf kamen noch gut 100 Euro an Kraftstoffkosten, die beim Carsharing nicht extra anfallen.

Alles in allem kostete der persönliche Mietwagen-Kilometer damit etwa 78 Cent. Der gegenüber dem Carsharing geringere Preis entsteht offenbar vor allem durch die höhere Zahl von Freikilometern bei einer ganz- oder mehrtägigen Miete.

Sharing zwingt zu genau überlegter Autonutzung 

Auch beim Carsharing kann man die Kilometer-Kosten durch geschicktes Ausnutzen zeitbasierter Tarife nach unten drücken. Vor allem gilt aber auch fürs Automieten dasselbe wie bei den Anbietern von Strom, Gas oder Öl, und das ist der Vielverbraucher-Vorteil: Wer über Rabatte und andere Angebote etwas an Kosten einsparen will, muss erst einmal mehr ausgeben (können).

Wer spontan und schnell für kurze Wege ein Auto mietet, zahlt in der Regel vergleichsweise mehr. Ob das der Grundidee des Carsharings entspricht, sei mal dahingestellt.

Nach Branchenangaben ist Carsharing, wird der Wertverlust des Pkw voll berücksichtigt, bis zu einer jährlichen Fahrleistung von etwa 3.500 Kilometern günstiger als ein eigener Pkw. Tatsächlich aber fahren die Carsharing-Haushalte, folgt man den Angaben, im Mittel nur eher zwischen 500 und 2.000 Kilometern pro Jahr mit dem Pkw. Die restliche Mobilität würden die Haushalte dann mit Bahn, öffentlichem Verkehr, Fahrrad und zu Fuß bestreiten.

Für Umsteiger weg vom Auto hat die aktuelle Preislogik der Autovermieter – ob nun per Sharing im Nahbereich oder als Mietwagen bei Fernfahrten – aber einen Vorteil: Sie zwingt dazu, den Pkw nur noch dann zu nutzen, wenn es wirklich nicht anders geht. Autofahren ist keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern wird zu einer gut kalkulierten Ausnahme.

Mobilitätskosten haben sich halbiert 

Bleibt noch die Frage, ob in der persönlichen Bilanz wegen des weggefallenen eigenen Autos vermehrt Bahntickets im Fernverkehr erworben wurden und so also weitere Mobilitäts-Kosten entstanden. Dies lässt sich nicht so exakt ermitteln, weil zum Beispiel Fernfahrten aus Komfortgründen familiär und persönlich schon immer eher per Bahn und nicht per Auto unternommen wurden.

Als Schätzung soll hier die Annahme gelten, dass mit dem Abschaffen des eigenen Autos jährliche Mehrausgaben von 500 Euro für Bahntickets im Fernverkehr entstanden. Taxi-Leistungen wurden übrigens so gut wie nicht genutzt.

Der finanzielle Vergleich zwischen dem letzten Jahr mit und dem ersten Jahr ohne eigenes Autos fällt damit so aus: Aus Autokosten von rund 4.400 Euro im Jahr wurden Mobilitätskosten von rund 2.300 Euro. Das ist etwas mehr als die Hälfte.

Dies passt zu einschlägigen Auflistungen im Netz, wonach das Abschaffen des eigenen Autos die Mobilitätskosten um ein Drittel bis die Hälfte senkt.

Natürlich wird so eine Kostenrechnung am Ende auch von steuerlichen Tatbeständen und Subventionen beeinflusst wie von der Entfernungspauschale oder dem Dienstwagen- und dem Dieselprivileg.

Auch das Deutschlandticket wird 2026 wieder mit drei Milliarden Euro von Bund und Ländern unterstützt. Das Dienstwagenprivileg kostet dagegen 3,5 bis zu 5,5 Milliarden Euro. Hier gilt der Grundsatz: Wem es gelingt, möglichst viel von diesen Subventionen in die eigene Tasche umzuleiten, der senkt seine Mobilitätskosten, egal ob er mit Auto, Bus oder Bahn unterwegs ist.

Mehr als eine Tonne Kohlendioxid weniger emittiert 

Was bedeutet das Abschaffen des eigenen Autos schließlich für die persönliche CO2-Bilanz? Um das abzuschätzen, sind von der privaten Jahresfahrleistung von 11.000 Kilometern erst einmal die 1.370 Kilometer abziehen, die im gemieteten Verbrenner zurückgelegt wurden.

Weiter sind auch Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr oder der Bahn nicht emissionsfrei. Selbst wenn mit E‑Antrieb gefahren wird, gilt in der CO2-Bilanz der deutsche Strommix, wo pro erzeugter Kilowattstunde 2024 noch rund 360 Gramm CO2 verursacht wurden.

Die Emissionen des öffentlichen Verkehrs sind im Vergleich zum Pkw allerdings verschwindend gering. Nehmen wir hier der Einfachheit halber an, dass die Nutzung von Bus, Tram und Bahn aus Sicht der CO2-Last einigen hundert Kilometern privatem Autofahren gleichkommt.

 

Mit dem Abschaffen des eigenen Autos fielen dann aus Klimasicht nicht 11.000 Kilometer Fahrleistung weg, sondern, grob angenommen, nur etwa 9.000 Kilometer.

Bei CO2-Emissionen in der Kompaktklasse von 130 Gramm je Kilometer werden somit jährlich rund 1,2 Tonnen CO2 nicht emittiert. Das ist eine ganz ordentliche Größe angesichts der aktuellen Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland von rund sieben Tonnen CO2, wenn nur dieses Klimagas berücksichtigt wird, oder von 10,3 Tonnen CO2-Äquivalent, wird die Klimawirkung aller Treibhausgase einberechnet.

Das zeigt: Auch klimapolitisch lohnt es sich, dem Auto mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. Stadtpolitisch betrachtet grüßt vom frei gewordenen Parkplatz vorm Haus jetzt natürlich ein anderes Auto seinen Besitzer.