Barbara Metz. (Bild: Stefan Wieland)

Klimareporter°: Frau Metz, bei der Langen Nacht des Klimas sprechen Sie über das Thema "Druck machen – für Klimaschutz und Energiewende von unten". Gerade wird ja beklagt, dass die Klimabewegung – auch nach diesem Hitzesommer – wenig sichtbar und politisch wirksam ist. Haben Sie Hoffnung, dass sich das ändert?

Barbara Metz: Umweltverbände, Initiativen und Bürgerinnen und Bürger machen sehr wohl Druck, klagen erfolgreich für mehr Klimaschutz und verhindern vor Ort klimaschädliche Projekte. Und die öffentliche Aufmerksamkeit für Hitzeschutz und Klimaanpassung ist so groß wie nie zuvor.

In der Berliner Torstraße sollen beispielsweise alte Stadtbäume gefällt werden – obwohl sie als natürliche Klimaanlagen lebenswichtig sind. Aber Menschen vor Ort kämpfen dafür, diese Bäume zu erhalten.

Die entscheidende Frage ist: Warum reagiert die Politik auf diesen gesellschaftlichen Druck und auf mehr als 14.000 Hitzetote nicht endlich? Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz wird die Wärmewende praktisch unmöglich gemacht. Und auch bei Photovoltaik, Netzen und Bürgerenergie werden neue Hürden aufgebaut, statt die Energiewende mit voller Kraft zu beschleunigen.

Die Zivilgesellschaft kann der Politik ihre Verantwortung nicht abnehmen. Aber sie kann dafür sorgen, dass klimapolitischer Rückschritt nicht geräuschlos durchgeht.

Die laufende Energiegesetzgebung aus dem Wirtschaftsministerium droht gerade die Bedingungen für eine Energiewende von unten zu erschweren – mit dem Wegfall der garantierten Einspeisevergütung und fehlenden Rahmenbedingungen für Bürgerenergie und Energy Sharing. Erleben wir eine Rückabwicklung der Energiewende?

Wir erleben gerade den Versuch, die Energiewende zurückzudrehen – und zwar ausgerechnet auf Kosten derjenigen, die sie über Jahre getragen und vorangebracht haben. Das CDU-Wirtschaftsministerium will Bürgerinnen und Bürgern die garantierte Einspeisevergütung nehmen, schafft gleichzeitig aber keine verlässlichen Bedingungen für Bürgerenergie und Energy Sharing.

Dabei war die dezentrale Energiewende so erfolgreich: Millionen Menschen, Kommunen, Genossenschaften, Projektierer und Handwerksbetriebe haben investiert und daraus ein gesellschaftliches Projekt gemacht. Katherina Reiche würgt das ab, während große, fossil geprägte Energiekonzerne gestärkt werden.

Das ist klimapolitisch fatal und wirtschaftspolitisch kurzsichtig. Wer Investitionen in Solarenergie, Speicher und Bürgerenergie erschwert und gleichzeitig für permanente Unsicherheit sorgt, gefährdet Arbeitsplätze und Wertschöpfung in einer der wichtigsten Zukunftsbranchen Deutschlands.

Aber diese Rückabwicklung ist noch nicht entschieden. Die Gesetze müssen durch den Bundestag. Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden, Unternehmen, Kommunen und Ländern werden wir dafür kämpfen, dass aus der Energiewende kein Projekt weniger Großkonzerne wird.

Barbara Metz

Die studierte Politologin und Soziologin ist Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe. Zuvor baute sie bei der Organisation den Bereich Energieeffizienz auf.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, eine Forderung für mehr Klimaschutz unmittelbar geltend umzusetzen – welche wäre das?

Klimaschutz und Klimaanpassung müssen verbindliche staatliche Priorität bekommen. Jeder gesunde Stadtbaum, jede Grünfläche muss heute als Teil unserer Schutzinfrastruktur verstanden werden. Baumerhalt muss Vorrang haben, Entsiegelung muss zum Standard werden und neue Versiegelung zur begründungspflichtigen Ausnahme.

Wir brauchen außerdem jedes geeignete Dach für Solarenergie, wir brauchen echte Bürgerenergie und Energy Sharing, Speicher, Smart Meter und Netze, die eine dezentrale Energieversorgung ermöglichen.

Beides gehört zusammen: Wir müssen die Klimakrise mit aller Kraft begrenzen und unsere Städte gleichzeitig vor ihren längst spürbaren Folgen schützen. Wer nach diesem Hitzesommer Klimaschutz gegen Hitzeschutz oder Energiewende gegen Klimaanpassung ausspielt, hat die Dimension der Krise nicht verstanden.

Klimareporter° ist offizieller Medienpartner der Langen Nacht des Klimas am 12. September 2026 in Berlin.