Die Klimakrise ist längst keine ferne Bedrohung mehr. Sie tötet heute und belastet zugleich die Wirtschaft massiv. Fast 10.000 hitzebedingte Todesfälle hat es in Deutschland bereits bisher in diesem Jahr gegeben.

Gleichzeitig wird klar, dass die Erwärmung zunehmend ein ökonomischer Faktor geworden ist. Hitze und Trockenheit drohen sogar die für 2026 erhoffte leichte wirtschaftliche Erholung zu ersticken.

Wer angesichts solcher Fakten die Gefahr und die Notwendigkeit von Klimaschutz und Klimaanpassung noch leugnet, betreibt brutale Realitätsverweigerung.

 

Die Lage entwickelt sich noch dramatischer als im extremen Hitzejahr 2018. Der Rhein als wichtigste deutsche Wasserstraße erreicht historische Tiefstände. Frachtschiffe können nur noch einen Bruchteil ihrer Ladung transportieren, Lieferketten geraten unter Druck, die Produktion muss gedrosselt werden.

Noch ist es nicht so weit wie in Ungarn, wo wegen hitzebedingter AKW-Drosselung bereits Strommangel herrscht. Doch das Beispiel zeigt, wie unkontrollierbar die Hitzekrise werden kann.

Hitze ist damit Gesundheits- und Wirtschaftskrise zugleich. Jeder Tag mit mehr als 30 Grad kostet die deutsche Wirtschaft durch Produktivitätsverluste schätzungsweise rund 430 Millionen Euro.

Der Thinktank Allianz Trade erwartet bis 2030 hitzebedingte Schäden von mehr als 110 Milliarden Euro. Und eine Studie im Auftrag der Bundesregierung beziffert die gesamten Klimafolgekosten bis 2050 sogar auf bis zu 900 Milliarden Euro – ohne viele indirekte Schäden.

Klimaschutz ist auch Wirtschaftsvorsorge

Klimaschutz ist daher kein Luxus für bessere Zeiten, sondern Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und Wohlstand. Trotz dieser Lage bremst die Bundesregierung die Energiewende. Das Heizungsgesetz wird abgeschwächt, der Ausbau von Wind- und Solarenergie behindert, neue fossile Gaskraftwerke werden ohne klare Umrüstungsperspektive geplant.

Vor allem die Union muss begreifen: Fossile Energien schützen nicht vor Krisen, sondern verschärfen sie. Wer Tausende Hitzetote und Milliardenschäden ignoriert, verteidigt nicht die Interessen der Bürgerinnen und Bürger, er gefährdet sie.

Notwendig ist eine doppelte Strategie aus Klimaschutz und Anpassung. Dazu gehören Verschattung, Dämmung, Begrünung und möglichst solarbetriebene Kühlung für Schulen, Kitas, Krankenhäuser und Pflegeheime, verbindliche Hitzeaktionspläne, mehr Trinkbrunnen und Kühlräume sowie eine konsequente Entsiegelungs- und Stadtbaum-Offensive.

Ein aktuelles Papier der Grünen enthält dazu viele richtige Vorschläge, unter anderem ein neues Solar-Kühlungs-Förderprogramm. Klimaanpassung muss kommunale Pflichtaufgabe werden und verlässlich finanziert sein.

 

Anpassung braucht es aber auch in der Verkehrspolitik. Wenn der Rhein und andere Wasserstraßen häufiger zum logistischen Nadelöhr werden, braucht Deutschland leistungsfähige Alternativen. Dazu muss vor allem das Schienennetz ausgebaut und saniert werden. Heute fehlen die Kapazitäten, um größere Gütermengen vom Schiff auf die Bahn zu verlagern.

Mehr Ausweichstrecken, modernisierte Knoten, längere Güterzüge und zusätzliche Verladeterminals würden Lieferketten widerstandsfähiger machen. Die Schiene kann die klimafreundliche Binnenschifffahrt nicht komplett ersetzen, kann aber verhindern, dass Niedrigwasser ganze Industriezweige lahmlegt. 

Die Hitzewellen 2026 müssen ein Wendepunkt sein. Deutschland darf sich nicht länger einreden, Klimaschutz sei ein grünes Sonderinteresse oder ein Hemmschuh für die Wirtschaft. Er ist Gesundheits- und Wirtschaftsvorsorge zugleich.

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